Ausstellung «Bilder erzählen Geschichten»
Das unbekannte Bilderfries des Laupener Kunstmalers Ernst Ruprecht als Blick in den Alltag vor 100 Jahren
Bruno Riesen, ein Nachfahre der Laupener Fabrikantenfamilie Ritz, vermachte dem Schlossmuseum Laupen ein Bilderfries des Laupener Kunstmalers und Grafikers Ernst Ruprecht. Über Jahrzehnte hingen die Bilder im Salon der Ritz-Villa an der Bösingenstrasse. Niemand weiss mehr, wann die Bilder in die Villa gelangten. Aber es ist bekannt, dass der junge, wenig beschäftigte Ernst Ruprecht nach seinem Kunststudium in München verschiedene Laupener Innenräume schmücken durfte. Es gibt Hinweise auf dem Bilderfries, dass dieses noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs entstand.
Der junge Künstler wählte die klare, markante Form und malte in kräftigen Farben. Man glaubt den Einfluss des Schweizer Malers Ferdinand Hodler und der deutschen Expressionisten zu spüren. Das Bilderfries zeigt Stationen des Laupener Alltags mit Schulexamen, Nasenfischen, Herbstmärit, «Achetringelen» und Schlittschuhlaufen auf dem Entenweiher. Auf Ruprechts Bildern fehlt die Moderne. Er stellte eine traditionelle Welt dar mit Trachtenfrauen, Hüterbuben und Bauern mit geschulterter Sense.
Anfangs des 20. Jahrhunderts entstand in der Schweiz als Reaktion auf die rasante Modernisierung die sogenannte Heimatschutzbewegung. Ernst Ruprecht stand der Bewegung nahe. Ziel des Heimatschutzes war die Erhaltung schweizerischer Eigenart. Trachtenvereine wurden gegründet und Theatergruppen spielten bodenständige Mundartstücke. Während erste Automobile über die Strassen tuckerten, Eisenbahnen vorüberdampften und Zehntausende in lärmigen Fabriken arbeiteten, schuf der junge Ernst Ruprecht in seinem Laupener Atelier Bilder einer ländlich-traditionellen Welt.


Ernst Ruprecht, 1891 - 1954
Der Sohn des Laupener Lindenwirts verbringt nach der Schulzeit ein Jahr in der Welschschweiz, besucht dann die kunstgewerbliche Abteilung des Technikums Biel und schreibt sich 1910 in die Kunstakademie München ein. Zurück in Laupen, folgt eine erste Schaffensperiode als Künstler. Nach dem Ersten Weltkrieg wird er für sechs Jahre Atelierchef an der Polygrafischen Gesellschaft Laupen. Es folgt ein Kunstaufenthalt in Paris. Neben seiner freiberuflichen Arbeit als Grafiker und Kunstmaler übernimmt er einen Lehrauftrag am Technikum Biel.
Sein Wohnort liegt ihm am Herzen. Er gehört dem Gemeinderat an, besucht Turnverein und Männerchor, wird örtlicher Vertrauensmann des Heimatschutzes und ist an der vorbildlichen Stedtlirenovation von 1939 massgeblich beteiligt. Als Förderer des kulturellen Lebens gründet er das heimische Trommler- und Pfeifercorps. Für das Laupener «Achetringelen» entwirft er eindrückliche Holzmasken und verhilft so dem Altjahrsbrauch zu urtümlichem Gepräge. Während er als Maler lebenslang um eine eigenständige Bildsprache ringt, entwickelt er sich als Grafiker zu einem der führenden Schweizer Plakatkünstler seiner Zeit.
